- Wellen, Berge und Seifenblasen – Wasserexperimente im Philipp-Reis-Haus
- Zum 90. Todestag von Elise Reis, Tochter des Telefonerfinders
- Anfassen erwünscht
- Neue Termine für die Erfinderwerkstatt im Philipp-Reis-Haus
Wellen, Berge und Seifenblasen – Wasserexperimente im Philipp-Reis-Haus

Auch im Sommer geht es im Philipp-Reis-Haus mit spannenden Experimenten weiter. Diesmal wird es ganz schön nass, wenn im Hof des Museums Wasser, natürlich streng wissenschaftlich, untersucht werden.
Das Element Wasser ist nicht nur lebensnotwendig, sondern hat auch ganz besondere Eigenschaften. So kann man mit ihm z. B. Berge bauen, Fontänen spritzen und Blumen blühen lassen, aber auch Blasen zum Fliegen bringen. Diesen und anderen Phänomenen können alle kleinen Tüftler in der neuen Erfinderwerkstatt mit spannenden Versuchen auf den Grund gehen. Am Ende der Veranstaltung nehmen die Teilnehmer nicht nur Anregungen für das Experimentieren zu Hause mit, sondern zudem eine Urkunde, die sie als große Erfinder auszeichnet.
Die Erfinderwerkstatt "Wasser" findet am 27. Juli für alle Kinder zwischen sieben und elf und am 29. Juli für alle zwischen fünf und sieben Jahren im Philipp-Reis-Haus, Hugenottenstraße 93, statt. Beginn ist um 15 Uhr. Die Veranstaltung dauert rund 90 Minuten. Aus organisatorischen Gründen ist die Teilnehmerzahl auf 15 Kinder beschränkt und eine Anmeldung erforderlich. Es wird ein Teilnahmebeitrag von 3 Euro erhoben. Fragen beantwortet gerne Dr. Erika Dittrich unter der Telefonnummer 06172 / 72142 bzw. 06007 / 918628 oder per eMail: erika.dittrich
friedrichsdorf.de.
Zum 90. Todestag von Elise Reis, Tochter des Telefonerfinders

Es war ein trauriges Leben in bescheidenen Verhältnissen, das die Tochter des Telefonerfinders Elise Reis (1861-1920) führte. Dabei hatte Philipp Reis großen Wert auf eine gute Schulausbildung seiner Kinder gelegt. Von Elises musischen Talenten zeugt ein erst kürzlich aus privater Hand an das Museum übergebene Skizzenbuch. Zart sind darin mit Bleistift die Zeichnungen mit einer Liebe zum Detail ausgeführt. Hervorragend spielte sie Klavier. Doch um die Jahrhundertwende war es für eine Frau aus bürgerlichen Kreisen schwer, ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten und eine Stelle in der Gesellschaft zu finden. Schließlich zerbrach die Klavierlehrerin an ihrem kargen Schicksal und wählte den Freitod.
Gerade hatte Philipp Reis (1834-1874) seine geniale Erfindung gemacht, als ihm seine Frau Margarethe (1836-1895) ein Töchterchen schenkte. Geboren wurde es am 14. Februar 1861 und zwei Wochen später in der vom Wohnhaus nur wenige Schritte entfernt liegende Kirche auf den Namen Elise Susanne getauft. Liebevoll kümmerten sich die Eltern um das Mädchen, zu dem zwei Jahre später sich noch Brüderchen Carl gesellte. Reis half seinem kränklichen "Gretchen" im Haushalt, bastelte für seine Kinder Spielzeug und liebte es, mit ihnen durch den Taunus zu streifen. Sogar bei seinen Experimenten bezog er die Kinder ein. Noch heute erhalten und im Museum ausgestellt sind von Reis gedrechselte Figürchen und ein kleines Märchenbuch, das er für seine Tochter mit einer Handpresse druckte. Doch die schwere Krankheit, Reis litt an Lungentuberkulose, und schließlich sein früher Tod setzte der glücklichen Kindheit ein Ende. Elise war gerade einmal 13 Jahre alt. Mit dem Verlust des geliebten Vaters kamen auch materielle Sorgen, blieb doch fortan das regelmäßige Einkommen aus. Eine Pension stand der Witwe nicht zu. So blieb der kleinen Familie nichts weiter übrig, als zusammenzurücken und die unteren Räume im kleinen Fachwerkhäuschen zu vermieten. Für kurze Zeit wohnte man mit Familie Wagner unter einem Dach, dessen kleiner Sohn Willi später in die Fußstapfen von Reis treten und das Telefon weiterentwickeln sollte.
In seinem Testament hatte Reis verfügt, seinen Kindern eine gute Schulausbildung angedeihen zu lassen. Wenn auch nicht archivarisch belegt, so besuchte Elise sicher das gegenüber ihrem Haus gelegene Institut von Pfarrer Bagge, eine private Mädchenschule. Hier konnte Elise ihr musisches Talent entdecken, lernte das Klavierspielen und bekam Zeichenunterricht. Wie talentiert sie mit dem Zeichenstift umging, belegt ein 30 Seiten starkes Skizzenbuch, das erst kürzlich dem Museum aus Privatbesitz übereignet wurde. Blumen- und Landschaftsmotive zeigen die Entwicklung des Zeichentalents sowie die Frucht vielen Übens. Friedrichsdorfer Motive befinden sich leider nicht unter den Zeichnungen, jedoch eine bei Gelnhausen, der Geburtsstadt ihres Vaters, gelegene Mühle.
Zunächst blieb Elise im Elternhaus wohnen, wo sie aufopferungsvoll ihre Mutter bis zu deren Tode pflegte. Damals war Elise 34 Jahre alt und, da sich ihr Verlobter anders entscheiden hatte, noch immer unverheiratet. Da die junge Frau nur ein kleines Barvermögen von rund 16.000 Mark und keinerlei Berufsausbildung besaß, beantragte Bürgermeister Garnier beim Reichspostamt in Frankfurt eine kleine Rente für die Tochter des Telefonerfinders. Gewährt wurden schließlich 400 Mark jährlich. Nachdem ihr Bruder, der inzwischen Buchhalter bei der Zwiebackfabrik Stemler geworden war, geheiratet hatte, zog Elise aus ihrem Geburtshaus aus. Ein neues Zuhause fand sie später in einer Dachwohnung der Hauptstraße 101, das neu erbaute Haus von Adolph Louis Achard. Hier gab sie auch Klavierstunden, um ihre karge Rente aufzubessern. Vor allem in der französisch-reformierte Kirche engagierte sie sich, etwa in der Sonntagsschule sowie im französisch sprechenden Damenkränzchen. Später trat sie zudem der Methodistischen Kirche bei, wo sie dann den Frauen-Missions-Verein leitete.
Doch während des Ersten Weltkrieges verschlechterte sich ihre Gesundheit derart, dass sie ihren Haushalt nicht mehr allein zu führen vermochte. An Klavierunterricht war gar nicht mehr zu denken. Unterernährung war die Folge. Da half auch die einmalige Zahlung von 300 Mark der Post nicht weiter. Den Vorschlag, ihre Wertpapiere in eine Versicherungsgesellschaft zu zahlen, lehnte Elise ab. Das Geld sei für ihre Nichten bestimmt, da diese seit 1917 Halbwaise waren. Aus dieser misslichen Situation sah Elise keinen anderen Ausweg mehr, als sich selbst das Leben zu nehmen. Am 14. Mai 1920, gegen 13 Uhr fand man sie erhängt in ihrer Wohnung auf. Wenige Tage später berichtete der "Taunusbote": "Die 59jährige Privatiere Reis hat in der Nacht von Donnerstag zum Freitag ihrem Leben durch Erhängen freiwillig ein Ziel gesetzt. Die Verstorbene litt schon längere Zeit an nervösen Störungen und dürfte dieses Leiden die Ursache zu der Tat gewesen sein." Ihre Nichte Marie vermutete, ihre Tante habe "ihr Leben in religiösem Wahn durch eigene Hand" beendet. Ihre Habseligkeiten wurden zusammen mit einigen Möbeln aus ihrem Elternhaus versteigert. Hierunter befanden sich auch Sofa und Stühle, die vor einigen Jahren wieder in das Reis-Haus kamen.
Einen Grabstein erhielt Elise Reis erst spät, erlaubten es doch die finanziellen Verhältnisse der Familie nicht. Denn ihre verwitwete Schwägerin hatte das Haus verkauft und den gesamten Erlös während der Inflation verloren. So setzte erst 16 Jahre nach ihrem Tod Margarethe Reis ihrer Schwägerin eine schwarze Marmortafel mit der Inschrift "Hier ruht Elise Reis 1861 – 1920". Geblieben sind nur wenig persönliche Habseligkeiten aus dem Besitz von Elise Reis. So befinden sich in Privatbesitz etwa einzelne Briefe und ein Gebetbuch; sechs Fotos verwahrt das Stadtarchiv. Umso wertvoller ist die Schenkung des Zeichenheftes, erlaubt dieses doch, sich ein Bild zu machen von einem traurigen Frauenschicksal.

Das Jahr 1860 gilt als Geburtsstunde des Telefons. Damals gelang dem Friedrichsdorfer Lehrer und Physiker Philipp Reis erstmals die Übertragung von Sprache über eine größere Distanz. Reis war es auch, der das in alle Weltsprachen eingegangene Kunstwort für die neue Technik kreierte: "Telephon". Das 150-jährige Jubiläum der epochalen Erfindung nahm das nach Philipp Reis benannte Städtische Museum Friedrichsdorf zum Anlass, die Geschichte des Fernsprechers seit dessen Verbreitung um 1900 bis zum Gebrauch von Schnurlosen in einer Neupräsentation darzustellen.
Möglich wurde eine im wörtlichen Sinne begreifbare Präsentation durch die Schenkung der Privatsammlung von Dr. Herbert Krist. Daraus wurden 18 Apparate ausgewählt und auf gestalteten Wandelementen installiert. Es sind vor allem die Geräte selbst und die dazugehörenden Bilder, die hier wirken. Statt trockener Fakten und technischer Daten kommen die Telefone als auditives Medium selbst zu Wort. Anfassen und Abheben ist ausdrücklich erwünscht, damit der Besucher ein Gefühl für die unterschiedlichen Materialien (sowie das Gewicht!) der Apparate erhält, und vor allem, um die auf jeden Gerätetypus abgestimmten Hörspiele mitzuverfolgen. In unterhaltsamen und eigens zu diesem Zweck produzierten Kurzgeschichten sind deren wichtigsten Daten ebenso verpackt wie der kulturgeschichtliche Kontext. Eine Collage telefonierender Frauen und Männer gibt bereits durch die sich wandelnde Mode eine Anmutung der Epochen, als die jeweiligen Fernsprecher in Gebrauch waren, gewissermaßen vom steifen Stehkragen und Mieder zu legerem Pulli und Jeans.
Anfangs telefonierte man noch im Stehen. Und das Wunder, vom "Fräulein vom Amt" vermittelte Stimmen aus der Ferne zu hören, war nur wenigen vergönnt. Wie um 1900 selbstverständlich, achtete man bei den hölzernen Pulttelefonen neben der Funktionalität auf Formschönheit und Ästhetik. Neue Werkstoffe wie Bakelit erlaubten später die Produktion robuster Gebrauchsapparate wie das schwarze W 48 aus der Nachkriegszeit oder die kostengünstig aus Plastik hergestellte "Graue Maus". Spätestens mit diesem Gerät wurde Telefonieren in den 1960er Jahren zum Massenphänomen und unterlag wie jeder andere Gebrauchsgegenstand nun modischen Trends. Im Gefolge der Flower-Power-Zeit nahmen die Gehäuse jetzt Farbe an. Um das Gedächtnis zu entlasten ersetzte der Tastenblock die Wählscheibe.
Aber noch immer war Telefonieren ortsgebunden, weil von einer Leitung abhängig. Nicht zufällig emanzipierte man sich mit der immer größeren Mobilität auch davon. Die verbessere Funktechnik erlaubte erst ab 1958 das Telefonieren aus dem Auto, dann konnten dank Digitalisierung beliebig viele Mobilteile über einen häuslichen Festanschluss benutzt werden, und schließlich kannte das Telefonieren per Handy keine räumlichen Grenzen mehr (die Entwicklung des Mobiltelefons bleibt dem weiteren Museumsausbau vorbehalten, die in diesem Jahr angestrebt ist).
Das Telefonieren hat die gesamte menschliche Kommunikation radikal verändert und damit auch entsprechende künstlerische Spiegelungen erfahren. In der neuen Abteilung sind zahlreiche bildnerische und akustische Beispiele versammelt, wie das Sprechen auf Distanz in Musik, Film und Literatur Eingang fand. Genannt seien nur die als kurze Einspielungen im Hintergrund zu vernehmenden "Telefonlieder", beginnend bei der bereits 1878 komponierten "Telefonpolka" von Eduard Strauß über das "Ring, Ring" der Gruppe ABBA (1973) bis zum "Telefonterror" der Band Spliff (1984).
Konzept und Durchführung des Umbaus entstanden in enger Kooperation von Museumsleiterin Dr. Erika Dittrich mit dem Birsteiner Gestalter Thomas Scheuermann. Die Grafik besorgte das Büro Fanz und Neumeyer aus Schifferstadt. Frau Dittrich und Ulrike Mecke, Volontärin im Museum und Stadtarchiv, texteten auch die von professionellen Schauspielern gesprochenen Hörspiele. Produziert wurden sie durch das Unternehmen soundgarden in München-Unterföhrung. Die gesamte Maßnahme kostete rund 19.000 Euro, davon förderte der Hessische Museumsverband die Hälfte, die andere steuerte die Stadt Friedrichsdorf bei.
Das Philipp-Reis-Haus in der Hugenottenstraße 93 hat Dienstag und Donnerstag von 9 bis 16 Uhr geöffnet (sowie nach Vereinbarung über das Stadtarchiv, Tel. (06007) 91 86 28).
Neue Termine für die Erfinderwerkstatt im Philipp-Reis-Haus

Philipp Reis (1834-1874) war es bereits ein großes Anliegen, seinen Schülern die Naturwissenschaften anschaulich näherzubringen. Und es war der Physikunterricht, der ihn zur Erfindung des Telefons anregte. In der Erfinderwerkstatt können neugierige Kinder spielerisch die spannende Welt der Physik entdecken. Durch eigene Experimente zu Akustik und Elektrizität erfahren sie die physikalischen Grundlagen, anhand derer Philipp Reis um 1860 das Telefon erfand. Die jungen Teilnehmer der Erfinderwerkstatt lernen z. B. wie Strom fließt und Schall entsteht.
In der Erfinderwerkstatt "Optik" kann man in die Welt der Farben und des Lichts eintauchen. Mit kleinen Experimenten lernen die Kinder, wie Farben sich zusammensetzen, wie man sie wieder trennt, und warum man manchmal ganz genau hinschauen sollte. Dass die Farbherstellung in Friedrichsdorf eine lange Tradition hat, kann man vorab in einer kleinen Reise durch die Friedrichsdorfer Färberei erfahren.
Aus organisatorischen Gründen ist die Teilnehmerzahl auf 15 Kinder beschränkt. Die Veranstaltungen finden im Philipp-Reis-Haus, Hugenottenstraße 93, statt und dauern rund 90 Minuten. Es wird ein Teilnahmebeitrag von 3 Euro erhoben.
Erfinderwerkstatt "Akustik"
• Wie entsteht eigentlich Schall?
• Wie man baut man aus einem Becher ein Telefon?
• Und was sind Chladnische Klangbilder?
Erfinderwerkstatt "Elektrizität"
• Was ist statische Aufladung und wie erzeugt man sie?
• Wie bekommt man Strom zum Fließen?
• Kann man Gegenstände wie durch Zauberhand durch den Raum bewegen?
Erfinderwerkstatt "Optik"
• Wie kann man einen Regenbogen erzeugen?
• Wie mache ich aus einer Farbe mehrere?
• Wieso habe ich ein Loch in der Hand?
Erfinderwerkstatt "Wasser"
• Wie fließt eigentlich Wasser und was kann alles schwimmen?
• Wie baut man Wasserberge?
• Und wie erzeuge ich einen Tornado?
Erfinderwerkstatt "Im Dunkeln"
• Warum ist die Milch blau?
• Wie kann ich Blitze mit meiner Hand erzeugen?
• Und wie taucht man eine Flamme in Wasser?
Am Ende der Veranstaltung nehmen die Teilnehmer nicht nur Anregungen für das Experimentieren zu Hause mit, sondern zudem eine Urkunde in Empfang, die sie als "Erfinder" auszeichnet.
Termine
Für Kinder von 5-7 Jahren:
15.06.10 Erfinderwerkstatt "Wasser"
29.07.10 Erfinderwerkstatt "Wasser"
09.09.10 Erfinderwerkstatt "Elektrizität"
30.09.10 Erfinderwerkstatt "Akustik"
05.10.10 Erfinderwerkstatt "Optik"
16.11.10 Erfinderwerkstatt "Im Dunkeln"
(Beginn 16 Uhr)
Für Kinder von 7-11 Jahren:
17.06.10 Erfinderwerkstatt "Wasser"
27.07.10 Erfinderwerkstatt "Wasser"
14.09.10 Erfinderwerkstatt "Elektrizität"
23.09.10 Erfinderwerkstatt "Akustik"
07.10.10 Erfinderwerkstatt "Optik"
09.11.10 Erfinderwerkstatt "Im Dunkeln"
(Beginn 16 Uhr)
Beginn jeweils um 15 Uhr, außer die Erfinderwerkstatt "Im Dunkeln"!
Gruppen bis zu 15 Kinder können auch gesonderte Termine für die Erfinderwerkstatt unter 06007/918628 bzw. 06172/72142 oder per email erika.dittrich
friedrichsdorf.de ausmachen.
Für weitere Informationen steht Ihnen das Team der Stadt Friedrichsdorf zur Verfügung:
Telefon: 06172/731-0 - eMail: museum
friedrichsdorf.de