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Prof. Dr. Karl Willy Wagner

Karl Willy Wagner Bildercollage - ein Portrait, Bild im Alter von 2 Jahren, im Heinrich-Hertz-Institut um 1930, als jungen Mann um 1910

Von Durchschlägen, Leitungen und Schwingungen


Am 22. Februar 1883 wurde Karl Willy Wagner als Kind des Kaufmanns Wilhelm Wagner und seiner Frau Zeline, eine traditionsbewusste Hugenottin, geboren. Nach einer ersten Ausbildung zum Elektrotechniker lehrte der erst 19-jährige am Technikum in Frankenhausen. Schon ein Jahr später erhielt er einen Forschungsauftrag bei den Siemens-Schuckert-Werken, wo er Ordnung in das Chaos der Überspannung brachte und anschließend das Problem des elektrischen Durchschlags löste. Ab 1908 assistierte er Prof. Simon in Göttingen. Wagner holte das Abitur nach und schrieb zugleich an seiner 1910 vorgelegten Dissertation, die sich mit der Erregung von Schwingungen durch den elektrischen Strom befasste. Als Ingenieur am Kaiserlichen Telegraphenversuchsamt in Berlin verbesserte er den noch von Bell entwickelten Telefonhörer.

1910 heiratete er Anna Hoffmann aus Stargard und stach wenige Monate später mit einem Kabeldampfer in See, um zwischen Westafrika und Brasilien Leitungen zu verlegen. Wenige Monate später beendete er seine Habilitation. Während des Ersten Weltkrieges optimierte er die drahtlosen Stationen für Flieger und U-Boote und entwickelte ein Verfahren zur Geheimtelefonie. Mit der Entdeckung der "Siebketten-Technik" entwickelte er 1915 einen elektrischen Filter, der das Aussondern bestimmter Frequenzbereiche ermöglicht – eine maßgebliche Entwicklung für Rundfunk, Fernsehen und Telefonwesen. Seine grundlegenden Untersuchungen über den Frequenzbereich in Sprache und Musik sind noch heute für die Aufnahme- und Sendetechnik des Rundfunks von Wert.


1930 gründete Prof. Wagner in Berlin das Heinrich-Hertz-Institut für Schwingungsforschung. Als er sich weigerte, jüdische Mitarbeiter zu entlassen, wurde er aus dem Dienst entfernt. Nachdem er das Haus seiner Schwester in Friedrichsdorf geerbt hatte, kehrte Wagner in seine Heimat zurück und gründete zusammen mit Louise Dufour und seinem Schwager Friedrich Schmitt die "Landgrafen-Zwiebackfabrik OHG". Vor allem setzte er sich gegen den Abriß des Philipp-Reis-Hauses ein und eröffnete dort 1952 das noch heute bestehende Museum.

Nach Kriegsende beauftragten die Amerikaner ihn mit dem Wiederaufbau des Post- und Fernmeldewesens. Doch der Wissenschaft blieb er stets verbunden und amtierte 1949 als Präsident an der von ihm mitbegründeten Mainzer Universität, übernahm dort 1951 sogar noch eine Honorarprofessur, bis er am 3. September 1953 einem Herzinfarkt erlag.


 

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